# Flashcard Deck: PostgreSQL Grundlagen & Konfiguration **Thema**: PostgreSQL-spezifisches Wissen fuer Solution2-Entwickler **Schwierigkeit**: Anfaenger -> Fortgeschritten **Karten**: 20 --- ## Karte 1 | Basis **Q:** Welcher DAM (Data Access Module) wird fuer PostgreSQL in Omnis verwendet? **A:** `PGSQLDAM` (auch als `PostgresDAM` in der INI-Datei). Omnis laedt die Bibliothek `dampgsql.so` (Linux) bzw. `dampgsql.dll` (Windows), die wiederum `libpq` (die offizielle PostgreSQL-Client-Bibliothek) nutzt. --- ## Karte 2 | Basis **Q:** Was ist `libpq` und warum ist es fuer Solution2 wichtig? **A:** `libpq` ist die offizielle C-Client-Bibliothek von PostgreSQL. Omnis' `dampgsql.so` nutzt `dlopen()` um libpq zur Laufzeit zu laden. Ohne libpq crasht Omnis beim Datenbankzugriff mit "double free or corruption" (SIGABRT) oder "general protection fault" (SIGSEGV). In Docker muss ein Symlink erstellt werden: `ln -s /usr/lib/x86_64-linux-gnu/libpq.so.5 /opt/omnis/libpq.so` --- ## Karte 3 | Basis **Q:** Wie sieht die PostgreSQL-Verbindungskonfiguration in der Solution2-INI-Datei aus? **A:** ``` [SQL] Database=PostgreSQL DatabaseName=masterdemo HostIP=postgres HostPort=5432 UserName=soluser DAM=PostgresDAM Schema=soluser ``` **ACHTUNG:** Es muss `HostPort` heissen, NICHT `Port`! Omnis liest `$getSectionParameter('SQL','HostPort')`. --- ## Karte 4 | Basis **Q:** Welche Standard-Rollen gibt es in einer Solution2 PostgreSQL-Datenbank? **A:** - `sol2_system`: Schema-Owner, erstellt Tabellen und Objekte - `soluser`: Anwendungsbenutzer mit CRUD-Rechten, wird von Omnis verwendet - Optional: `kunde_readonly`: Lesezugriff fuer Reporting/Monitoring. Rechte werden ueber `ALTER DEFAULT PRIVILEGES` automatisch vergeben: `ALTER DEFAULT PRIVILEGES FOR ROLE sol2_system GRANT ALL ON TABLES TO soluser;` --- ## Karte 5 | Basis **Q:** Was ist der Unterschied zwischen `$logon()` und `$execdirect()` in Omnis? **A:** - `$logon()` erstellt eine **persistente Datenbank-Session** mit voller Transaktionskontrolle ($begin/$commit/$rollback) - `$execdirect()` fuehrt ein **einzelnes SQL-Statement** direkt aus, mit Auto-Commit. Fuer alles was zusammenhaengt (z.B. Auftrag + Positionen anlegen) MUSS eine Session mit expliziter Transaktion verwendet werden. --- ## Karte 6 | Basis **Q:** Wie funktioniert eine Transaktion in Omnis/Solution2? **A:** ```omnis Do lSess.$begin() Returns #F ;; START TRANSACTION Do lStmt.$execdirect(lSQL1) Returns #F Do lStmt.$execdirect(lSQL2) Returns #F If lAllesOK Do lSess.$commit() Returns #F ;; COMMIT Else Do lSess.$rollback() Returns #F ;; ROLLBACK End If ``` Immer `#F` (flag) pruefen! Bei Fehler sofort `$rollback()`. --- ## Karte 7 | Mittel **Q:** Was sind die wichtigsten PostgreSQL-Tuning-Parameter fuer Solution2? **A:** - `shared_buffers` = 25% RAM (Cache fuer Tabellendaten) - `effective_cache_size` = 75% RAM (Planer-Hint fuer OS-Cache) - `work_mem` = RAM / (max_connections * 4) (pro Query-Sortierung) - `maintenance_work_mem` = RAM / 32 (fuer VACUUM, CREATE INDEX) - `max_connections` = 100 (Standard, reicht fuer Omnis + n8n + pgAdmin) - `log_min_duration_statement` = 250ms (Slow-Query-Logging) --- ## Karte 8 | Mittel **Q:** Was passiert wenn in PostgreSQL ein `SELECT` ohne Transaktion laeuft? **A:** PostgreSQL wrapt jedes einzelne Statement automatisch in eine Transaktion (Auto-Commit). Das bedeutet: Ein einzelnes `SELECT` sieht immer einen konsistenten Snapshot. Aber wenn du ZWEI aufeinanderfolgende SELECTs ohne explizite Transaktion machst, koennen sie unterschiedliche Daten sehen, weil dazwischen ein anderer Benutzer etwas geaendert haben kann. --- ## Karte 9 | Mittel **Q:** Was sind die PostgreSQL Isolation Levels und welcher wird in Solution2 typisch verwendet? **A:** - `READ COMMITTED` (Standard in PostgreSQL und Solution2): Jedes Statement sieht nur Daten die VOR dem Statement committed wurden - `REPEATABLE READ`: Die gesamte Transaktion sieht den Snapshot vom Transaktionsbeginn - `SERIALIZABLE`: Strengste Isolation, verhindert Phantom Reads. Solution2 nutzt den Standard `READ COMMITTED`. Das reicht fuer die meisten ERP-Operationen. --- ## Karte 10 | Mittel **Q:** Was ist der Unterschied zwischen einer PostgreSQL `SEQUENCE` und einem Auto-Increment? **A:** In PostgreSQL gibt es kein echtes "Auto-Increment". Stattdessen: - `SERIAL` / `BIGSERIAL`: Erstellt automatisch eine Sequence und setzt `DEFAULT nextval('seq_name')` - `GENERATED ALWAYS AS IDENTITY`: Moderner Standard (PostgreSQL 10+), verhindert manuelle Werte - `SEQUENCE`: Eigenstaendiges Datenbankobjekt, kann von mehreren Tabellen geteilt werden. Solution2 nutzt haeufig eigene Counter-Tabellen statt Sequences, um Nummernkreise flexibler zu steuern. --- ## Karte 11 | Mittel **Q:** Wie funktioniert Soft-Delete in Solution2 und warum wird es verwendet? **A:** Jede Solution2-Tabelle hat eine Spalte `valid` (BOOLEAN). Statt `DELETE FROM parts WHERE id = 42` wird `UPDATE parts SET valid = false WHERE id = 42` verwendet. Gruende: - Referenzielle Integritaet bleibt erhalten (Foreign Keys zeigen noch auf den Datensatz) - Historische Daten bleiben fuer Reports verfuegbar - Versehentliches Loeschen ist reversibel. **WICHTIG:** Bei SELECTs immer `WHERE valid = true` filtern! --- ## Karte 12 | Mittel **Q:** Welche Audit-Spalten hat jede Solution2-Tabelle? **A:** - `created` (TIMESTAMP): Wann wurde der Datensatz erstellt - `modtime` (TIMESTAMP): Letzte Aenderung - `revisor` (INTEGER): ID des Benutzers der zuletzt geaendert hat - `valid` (BOOLEAN): Soft-Delete Flag (true = aktiv, false = geloescht) Diese Spalten werden automatisch von den T_Super-Methoden befuellt. Nie manuell setzen! --- ## Karte 13 | Fortgeschritten **Q:** Warum darf man Stammdaten (Artikel, Mitarbeiter, Adressen) NICHT per SQL-INSERT anlegen? **A:** Solution2 erstellt beim Anlegen automatisch abhaengige Datensaetze: - **Artikel**: Versionseintraege, Lifecycle, Lagerzuordnungen, Zusatzfeld-Defaults, Audit-Trail, Stuecklistenstrukturen - **Mitarbeiter**: Gruppenzuordnungen, Berechtigungen, Passwort-Records, Personaldaten - **Adressen**: Zahlungsbedingungen, Kommunikationseintraege, Rollenzuordnungen. Ein SQL-INSERT erzeugt nur den Hauptdatensatz — die abhaengigen Daten fehlen, was zu Fehlern und inkonsistenten Zustaenden fuehrt. Richtig: Ueber Solution2-UI oder rtDataImport-Service. --- ## Karte 14 | Fortgeschritten **Q:** Was ist `T_Super` in Solution2? **A:** `T_Super` ist die **Basis-Tabellenklasse** von der alle Tabellen-Klassen erben. Sie stellt gemeinsame Methoden bereit: - `$select()`: Daten laden mit automatischer Schema/WHERE-Behandlung - `$insert()`: Neuen Datensatz anlegen (setzt created, modtime, revisor automatisch) - `$update()`: Datensatz aendern (aktualisiert modtime und revisor) - `$delete()`: Soft-Delete (setzt valid = false). Es gibt auch `T_SuperVersion` fuer versionierte Tabellen (z.B. Artikelstaemme mit Aenderungshistorie). --- ## Karte 15 | Fortgeschritten **Q:** Was darf man per SQL aendern und was nicht? **A:** **Erlaubt (UPDATE):** - Enterprise-Daten (Firmenstamm), SystemKey, DBStatus - Nummernkreise zuruecksetzen (UPDATE nextnumber) - Konfigurationstabellen (Warengruppen, Zusatzfelder) - Passwort-Reset **Erlaubt (DELETE/TRUNCATE):** - Bewegungsdaten (Auftraege, Rechnungen) wenn sicher **VERBOTEN (INSERT):** - Artikel, Mitarbeiter, Adressen, Dokumente — immer ueber Solution2 UI oder Services! --- ## Karte 16 | Fortgeschritten **Q:** Wie behandelt Solution2 BLOBs (Binary Large Objects) in PostgreSQL? **A:** BLOBs werden in der Tabelle `documentcontent` gespeichert (z.B. angehaengte PDFs, Bilder). Bei der Migration von FrontBase nach PostgreSQL gibt es zwei Strategien: - **Phase-1 (Inline)**: BLOBs direkt mit den Daten importieren — einfach, aber langsam bei grossen DBs (> 2GB) - **Phase-2 (Separat)**: Erst Struktur + Daten, dann BLOBs nachtraeglich importieren — empfohlen fuer Produktion. PostgreSQL speichert grosse BLOBs via TOAST (The Oversized Attribute Storage Technique) automatisch komprimiert. --- ## Karte 17 | Fortgeschritten **Q:** Was ist TOAST in PostgreSQL? **A:** TOAST (The Oversized Attribute Storage Technique) ist PostgreSQLs Mechanismus fuer grosse Feldwerte. Wenn ein Wert groesser als ca. 2kB ist, wird er automatisch: 1. Erst komprimiert (LZ-Kompression) 2. Wenn immer noch zu gross: In eine separate TOAST-Tabelle ausgelagert. Das passiert transparent — fuer die Anwendung sieht es aus wie ein normales Feld. Relevant fuer Solution2s `documentcontent`-Tabelle mit grossen Anhaengen. --- ## Karte 18 | Fortgeschritten **Q:** Wie funktioniert die Fehlerbehandlung bei SQL-Operationen in Omnis? **A:** ```omnis Do lStmt.$execute(lParam) Returns #F If not(flag true) Calculate lCode as lSess.$lasterror Calculate lText as lSess.$lasterrortext OK message {SQL-Fehler [lCode]: [lText]} Do lSess.$rollback() Returns #F End If ``` **Wichtig:** `#F` (flag) wird nach JEDER SQL-Operation gesetzt. `$lasterror` liefert den PostgreSQL-Fehlercode, `$lasterrortext` die lesbare Meldung. Bei Deadlocks (error code 40P01) kann ein Retry sinnvoll sein. --- ## Karte 19 | Fortgeschritten **Q:** Was muss man bei Docker-Deployments fuer die PostgreSQL-Verbindung beachten? **A:** - `HostIP` in der INI muss der **Docker-Container-Name** sein (z.B. `postgres`), NICHT `localhost` oder `127.0.0.1` - Alle Container muessen im gleichen Docker-Network sein (z.B. `senex-net`) - `libpq.so` muss als Symlink im Omnis-Home-Verzeichnis existieren - `pg_hba.conf` muss Verbindungen vom Docker-Netzwerk erlauben: `host all all 172.16.0.0/12 scram-sha-256` - Session-Timeouts beachten: PostgreSQL schliesst idle Connections nach `idle_in_transaction_session_timeout` --- ## Karte 20 | Fortgeschritten **Q:** Wie prueft man in PostgreSQL langsame Queries und was bedeutet das fuer Solution2? **A:** ```sql -- Slow Query Log aktivieren (postgresql.conf) log_min_duration_statement = 250 -- Alles > 250ms loggen -- Ausfuehrungsplan anzeigen EXPLAIN ANALYZE SELECT * FROM orders WHERE valid = true AND status = 'A'; -- Laufende Queries anzeigen SELECT pid, now() - pg_stat_activity.query_start AS duration, query FROM pg_stat_activity WHERE state = 'active'; ``` **Typische Solution2-Bottlenecks:** Fehlende Indizes auf `valid`-Spalte, grosse JOINs ueber orders/orderitems ohne Einschraenkung, LIKE-Suchen ohne Index.